Die Betzinger Tracht

Die Betzinger Tracht fiel schon früh durch ihre Farbigkeit und die verschiedenen Erscheinungsformen auf. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie gerne von Genremalern und Fotografen festgehalten. Besonders König Wilhelm II. hatte Gefallen an dieser Tracht gefunden, da die Amme seiner ersten Tochter die Betzinger Tracht am Hofe trug. Seither steht die bunte Betzinger Tracht stellvertretend als Tracht der Schwaben.
tracht-gruppe

Tracht ist eine Kleidung, die von ganzen Gruppen getragen wird. Sie folgt einer gewissen Norm und zeigt die Zugehörigkeit sowie den Stand in der Gesellschaft. Ob arm oder reich, ledig oder verheiratet, Alltag, Sonntag, Festtag, Konfession und einiges mehr. Genau wie die Mode, hat sich auch Tracht im Laufe der Zeit infolge gesellschaftlicher Prozesse verändert.

tracht-trachtenvielfaltDie Betzinger Tracht gehört zur bäuerlichen Mode, die sich aber zeitlich verzögert an bürgerlichen Modetrends aus der Biedermeierzeit orientiert. Sie muss mit viel Handfertigkeit und Geschick hergestellt werden, nichts daran gibt es fertig zu kaufen. Auch die Materialien, Bänder und Stoffe, sind kaum noch zu bekommen.

Charakteristisch an der Betzinger Frauentracht sind die in viele Fältchen gefassten geraden Stoffe, die zu Puffärmeln, Schürze und Rock verarbeitet werden. Lediglich das Mieder wird je nach Passform zugeschnitten. Die kunstvoll in elf Falten gebügelte Schürze, die je nach Art der Tracht mit Bändern oder Spitze verziert ist, besteht an Sonn- und Festtagen, je nach Familienstand, aus weißem oder schwarzem Leinenstoff und wird mit passenden bunten Schurzbändern gebunden. Im Alltag ist die Schürze farbig. Typisch für die protestantische Tracht ist auch das Goller, eine Art Kragen, der das Dekolleté bedeckt. Ebenso charakteristisch für die Betzinger Tracht, sind die Picot-Moiree-Bänder, die die Tracht in verschiedenen Farben und Breiten zieren. Zum Teil werden sie aufgenäht oder als flatternde Schurzbändel getragen. Heute wird zu Tracht nur noch das „Deckelkäppchen“ und an Hochzeiten das Kränzchen (Schappel) getragen. Alle anderen Kopfbedeckungen, wie zum Beispiel die Florhaube, fielen dem modernen modischen Empfinden zum Opfer. Auch die Rocklänge wurde im Laufe der Jahre angepasst.

Die Männertracht besteht aus einem Weißkittel, der wie die Hose aus Leinen angefertigt ist. Die Hose wurde nach dem Vorbild französischer Soldatenhosen gefertigt, welche mit gestickten Hosenträgern gehalten wird. Man hat diese oft der Hirschlederhose, die schon früher sehr teuer war, vorgezogen. Die Manchesterhosen (Cordhosen) wurden bereits seit dem frühen 20ten Jh. nicht mehr getragen. Das Baumwollhemd schließt man mit einer silbernen Hemdnadel, die gleichzeitig ein schwarzes Halstuch fixiert. Die verheirateten Männer tragen darüber eine schwarze Samtweste, die unverheirateten Männer eine rote Weste aus Tuch mit jeweils 12 silbernen Knöpfen. Waren die Männer auf Brautschau, trugen sie ein rotes Taschentuch, das provokant aus der Hosentasche heraushing. Als Kopfbedeckung wird eine schwarze „Schmerkappe“ aus Leder getragen.

tracht-kinder-in-trachtKinder und Jugendliche tragen im Wesentlichen die gleichen Trachten wie die Erwachsenen.

 

 

 

 

Trachtenbuch „Die Betzinger Tracht – Anmut, Stolz und Selbstbewusstsein“

Anläßlich ihres 125-jährigen Bestehen hat die Ortsgruppe das Buch „Die Betzinger Tracht – Anmut, Stolz und Selbstbewusstsein“, von Dr. Ingrid Helber mit Beiträgen von Stephan Zielke und Hermann Kurz eingeleitet von Matthias Slunitschek herausgegeben.

buch-betzinger-tracht

Die Betzinger Tracht – Anmut, Stolz und Selbstbewusstsein

288 Seiten mit 330 farbigen Abbildungen (2015)

Autorin: Dr. Ingrid Helber

Herausgeber: Schwäbischer Albverein e.V. , Ortsgruppe Betzingen

ISBN: 978-3-939775-53-9 / 9783939775539

Ihre Bestellung richten Sie bitte an: